Abschnittsübersicht

Kursübersicht

    • Wenn wir über KI in der Schule sprechen, denken viele zunächst an den Unterricht: Wie verändert KI das Schreiben von Texten? Wie gehen wir mit KI-generierten Hausaufgaben um?

      Doch KI hat weitreichendere Auswirkungen. Sie stellt grundlegende Fragen an unsere Schulen: Wie müssen wir Unterricht weiterentwickeln? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte? Und welche organisatorischen Rahmenbedingungen sind nötig, damit KI nicht nur als Werkzeug funktioniert, sondern auch pädagogisch und organisatorisch sinnvoll eingebettet ist?

      Prompten in der Pädagogik

    • Personalentwicklung

      Die Integration von KI in die Schule stellt neue Anforderungen an Lehrkräfte – und damit auch an die Personalentwicklung. Es geht nicht nur darum, ein neues Tool zu bedienen, sondern KI pädagogisch reflektiert und didaktisch sinnvoll einzusetzen.

      Technisches Grundverständnis

      Lehrkräfte sollten zunächst verstehen, wie aktuelle KI-Systeme funktionieren: Was sind Large Language Models? Wie entstehen KI-generierte Texte? Welche Grenzen und Fehlerquellen gibt es – etwa Halluzinationen, fehlende Aktualität oder mangelnde Quellenangaben? Nur wer die technischen Grundlagen kennt, kann KI im Unterricht verantwortungsvoll einsetzen und Schülerinnen und Schüler kompetent begleiten.

      Didaktische Kompetenz

      Entscheidend ist die Frage: Wie kann der Einsatz von KI lernförderlich gestaltet werden? Welche Aufgabenformate eignen sich? Wie gestalte ich Lernprozesse, bei denen KI unterstützt, aber nicht das eigenständige Denken ersetzt? Lehrkräfte werden zu Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern, die kritische Reflexion anregen und Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, KI als Werkzeug zu verstehen – nicht als Ersatz für eigenes Lernen.

      Ethische und rechtliche Dimension

      Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz im Unterricht und der kritische Umgang mit Bias und Diskriminierung durch Algorithmen müssen thematisiert und im Schulalltag umgesetzt werden. Lehrkräfte sollten in der Lage sein, diese Aspekte mit Lernenden zu reflektieren und verantwortungsvolle Nutzungsstrategien zu vermitteln.

      Wie können Schulen Lehrkräfte unterstützen?

      Personalentwicklung bedeutet, Lehrkräfte systematisch zu qualifizieren und kontinuierlich zu begleiten. Dazu gehören u. a. :

      Fortbildungen und Workshops

      Sowohl technische Grundlagen als auch didaktische Einsatzszenarien sollten praxisnah vermittelt werden – am besten schulintern, damit gemeinsame Leitlinien entwickelt werden können. Externe Impulse durch Fortbildungsinstitute wie das NLQ oder durch Medienberaterinnen und -berater ergänzen und unterstützen das schulinterne Angebot.

      Kollegialer Austausch

      Lehrkräfte profitieren voneinander. Hospitationen, Teamteaching oder regelmäßige Arbeitsgruppen schaffen Raum für Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung. Eine schulinterne Steuergruppe „KI & Unterricht" kann Impulse geben und als Ansprechpartner fungieren.

      Unterstützungsstrukturen

      Schulen brauchen Ansprechpersonen – etwa Medienbeauftragte oder digitale Koordinatorinnen und Koordinatoren –, die bei technischen und didaktischen Fragen helfen und als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fungieren.

      Haltung entwickeln

      Entscheidend ist, dass Schulen eine gemeinsame Haltung entwickeln: KI nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen. Personalentwicklung bedeutet auch, Ängste ernst zu nehmen, Unsicherheiten zu thematisieren und gemeinsam Wege zu finden, wie KI pädagogisch verantwortungsvoll genutzt werden kann.

      Nur wenn Lehrkräfte gut vorbereitet und unterstützt werden, kann KI ihr Potenzial für zeitgemäße Bildung entfalten.

    • Organisationsentwicklung

      Die erfolgreiche Integration von KI in den Schulalltag erfordert mehr als technisches Know-how und didaktische Kompetenz. Schulen müssen auch organisatorische Rahmenbedingungen schaffen, die einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Einsatz ermöglichen.

      Infrastruktur

      Grundvoraussetzung ist eine funktionierende digitale Infrastruktur: stabiles WLAN, ausreichend Endgeräte für Lehrkräfte und Lernende sowie Zugang zu datenschutzkonformen KI-Tools. Schulen müssen klären, welche Systeme sie nutzen wollen und wie der Zugang organisiert wird. Dabei ist auch die technische Wartung und der Support wichtig. 

      Datenschutz

      Der Einsatz von KI-Tools muss DSGVO-konform erfolgen. Das bedeutet: Klärung von Auftragsverarbeitungsverträgen (AVV), Prüfung der Datenverarbeitung (idealerweise innerhalb der EU/EWR) und transparente Information für Eltern sowie Lernenden. Schulen sollten gemeinsam mit dem Schulträger und der Datenschutzbeauftragten prüfen, welche Tools zulässig sind und welche Nutzungsszenarien rechtlich abgesichert werden können

      Leitlinien

      Schulen brauchen eine gemeinsame Haltung zum Umgang mit KI. Leitlinien oder ein schulinternes Konzept helfen, Orientierung zu geben:

      • In welchen Kontexten ist der Einsatz von KI erlaubt oder erwünscht?

      • Welche Transparenzpflichten gelten (z. B. Kennzeichnung KI-generierter Inhalte)?

      • Wie gehen wir in der Schule mit KI bei Hausaufgaben, Referaten oder Prüfungen um?

      • Welche ethischen Grundsätze leiten uns (Fairness, Bias-Vermeidung, Quellenkritik)?

      Solche Leitlinien sollten im Kollegium gemeinsam erarbeitet und regelmäßig überprüft werden. Auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern können in den Entwicklungsprozess einbezogen werden.

      Verantwortlichkeiten

      Schulentwicklung braucht klare Zuständigkeiten. Eine Steuergruppe „KI & Digitalität" kann Impulse geben, Fortbildungen koordinieren und als Ansprechpartner fungieren. Wichtig ist, dass diese Gruppe nicht isoliert arbeitet, sondern eng mit Fachkonferenzen, Schulleitung und pädagogischen Gremien verzahnt ist.

      Fortbildungen

      Organisationsentwicklung bedeutet auch, systematische Fortbildungen zu planen und Zeitfenster dafür zu schaffen. Pädagogische Tage, schulinterne Workshops oder regelmäßige Austauschformate (z. B. wöchentliche „KI-Sprechstunden") helfen, das Kollegium kontinuierlich mitzunehmen. Externe Unterstützung z.B. durch das NLQ sollte gezielt genutzt werden.
      Umfassende Angebote finden Sie hier (vorherige Anmeldung im NLC erforderlich).

      Weiterentwicklung

      KI entwickelt sich rasant weiter – und damit auch die Anforderungen an Schulen. Organisationsentwicklung ist kein einmaliger Prozess, sondern erfordert regelmäßige Reflexion: Was funktioniert gut? Wo gibt es Probleme? Welche neuen Entwicklungen müssen berücksichtigt werden? Feedbackschleifen mit Lehrkräften, Lernenden und Eltern helfen, die schulischen Strukturen kontinuierlich anzupassen.

      Kooperation

      Schulen müssen nicht alles allein entwickeln. Der Austausch mit anderen Schulen, die Zusammenarbeit mit Schulträgern, Medienberatung und Fortbildungsinstituten sowie die Orientierung an Leitfäden können wertvolle Impulse geben und Ressourcen bündeln.

    • Unterrichtsentwicklung

      KI verändert nicht nur die Werkzeuge, mit denen wir arbeiten – sie stellt auch grundlegende Fragen an die Art und Weise, wie wir Unterricht gestalten. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, muss Unterricht gezielt weiterentwickelt werden.

      Von der Reproduktion zur Reflexion

      Traditionell zielte Unterricht häufig auf das Reproduzieren von Wissen ab: Fakten lernen, Texte zusammenfassen, Aufgaben nach Schema lösen. KI kann viele dieser Aufgaben heute schnell und effizient übernehmen. Zukünftig sollte die Gestaltung von Lernarrangements und Aufgabenkultur deshalb stärker auf das Verknüpfen, Bewerten und Interpretieren von Informationen sowie das eigenständige Begründen von Schlussfolgerungen abzielen.

      Systematischer Kompetenzaufbau

      Die dafür notwendigen Kompetenzen – kritisches Denken, Quellenbewusstsein, kreative Problemlösung und digitale Urteilskraft – müssen über die gesamte Schulzeit hinweg systematisch aufgebaut und vertieft werden. Dies erfordert eine lernförderliche Unterrichtskultur und ein gemeinsames Verständnis von gutem, zukunftsfähigem Unterricht.
      Schulentwicklung bedeutet hier, eine gemeinsame Perspektive zu schaffen: Wie bereiten wir Lernende bestmöglich auf die Veränderungen in Arbeits- und Lebenswelt vor? Welche Kompetenzen werden in einer KI-geprägten Gesellschaft zentral?

      Didaktisches Potenzial

      Die Integration von KI birgt ein erhebliches didaktisches Potenzial. Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur über KI lernen, sondern auch mit, an, ohne und trotz KI. Damit erweitert sich der didaktische Rahmen erheblich: KI wird nicht nur in Informatik, Ethik oder Philosophie relevant, sondern in allen Fächern – von den Sprachen über die Naturwissenschaften bis hin zur Kunst.

      Lernen über KI: Wie funktionieren Sprachmodelle? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat KI? Wo liegen ethische Grenzen?

      Lernen mit KI: KI als Werkzeug nutzen – zur Textüberarbeitung, zur Recherche, zur individuellen Förderung oder als Übungspartner.

      Lernen an KI: KI-Ausgaben kritisch analysieren, Fehler erkennen, Bias identifizieren und reflektieren, wo menschliche Intelligenz der KI überlegen ist.

      Lernen ohne KI: Bewusst Lernprozesse gestalten, die ganz ohne digitale Hilfsmittel auskommen – etwa beim handschriftlichen Schreiben, beim praktischen Experimentieren, bei Exkursionen oder beim direkten zwischenmenschlichen Austausch. Diese KI-freien Räume ermöglichen es, grundlegende kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Gedächtnisleistung und eigenständiges Problemlösen zu trainieren.

      Lernen trotz KI: Strategien entwickeln, um auch in einer KI-geprägten Umgebung eigenständig denken zu können. Dazu gehört, Aufgaben bewusst ohne KI-Unterstützung zu bearbeiten, um die eigene Problemlösungskompetenz zu stärken, oder zu lernen, wie man sich von KI-Vorschlägen nicht zu stark beeinflussen lässt und eigene kreative Wege findet.

      Lehrkräfte übernehmen dabei die Rolle von Begleiterinnen und Begleitern, die Lernprozesse steuern und kritische Reflexion anregen.

    • Chancen und Risiken

      KI kann Lernende bei der Texterstellung unterstützen, Schreibprozesse strukturieren, Sprachbarrieren abbauen und Zeit sparen. Gleichzeitig birgt sie Risiken: die Verbreitung fehlerhafter Informationen, thematische Abweichungen in längeren Texten, fehlende wissenschaftliche Belege oder die Abhängigkeit vom Vorwissen der Nutzenden.

      Gerade diese Ambivalenz eröffnet für den Unterricht spannende Zugänge:

      • Gemeinsam die Möglichkeiten und Grenzen von KI erkunden
      • Reflektieren, welche Stärken menschliche Intelligenz im Vergleich hat
      • Lernstrategien entwickeln, die KI und menschliches Wissen sinnvoll verbinden

      Neue Aufgabenformate entwickeln

      Unterrichtsentwicklung bedeutet auch, Aufgabenformate zu überdenken:

      • Statt reiner Reproduktionsaufgaben: offene Aufgaben mit Begründungspflicht
      • Statt isolierter Einzelarbeit: kollaborative Projekte mit Präsentations- und Diskussionsphasen
      • Statt ausschließlich schriftlicher Produkte: mündliche Reflexionen, Prozessdokumentationen oder kreative Gestaltungsaufgaben

      Auch Leistungsbewertung muss neu gedacht werden: Wie bewerten wir Lernprozesse, wenn KI Teile der Arbeit übernehmen kann? Wie machen wir Eigenleistung sichtbar? Portfolios, Lerntagebücher oder prozessorientierte Bewertungsformen können hier neue Wege eröffnen.

      Unterricht in Präsenz verlagern

      Ein sinnvoller Ansatz ist es, zentrale Schreib- und Denkprozesse stärker in den Unterricht zu verlagern. Modelle wie Stationenrotation, Flipped Classroom oder Blended Learning ermöglichen, dass Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer arbeiten und dabei direktes Feedback und Unterstützung erhalten. So wird nachvollziehbar, welche Leistungen die Lernenden selbst erbringen – und wo KI unterstützend eingesetzt wurde.

      Der Bildungsexperte Jöran Muß-Merholz über die KI im Bildungsbereich: