Überblick
Abschnittsübersicht
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Der Informatiker Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger zieht eine wegweisende Parallele: Die Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 markiert einen ähnlichen Wendepunkt wie das iPhone 2007 – beide läuteten eine neue Ära ein, obwohl sie auf jahrelangen Vorarbeiten basierten.
Um ein besseres Verständnis von KI zu erlangen, unterscheidet Döbeli Honegger drei Ebenen, deren Relevanz sich seit 2022 bestätigt hat:
1. Konzeptwissen (langfristig relevant):
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Large Language Models (LLMs) als Kernkonzept
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Maschinelles Lernen als Grundlage
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Aktuelle Ergänzung: Multimodale KI (Datenverarbeitung aus unterschiedlichen Quellen, z. B. Text, Bild, Video, Audio…), RAG-Systeme (Kombination von Informationssuche und Sprachausgabe), Agentensysteme (autonome intelligente Systeme, die ohne menschliches Handeln agieren)
2. Produktwissen (mittelfristig relevant):
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ChatGPT, Claude, Gemini als konkurrierende Produkte
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Entwicklung 2024/25: Dutzende verschiedene LLM-Anbieter weltweit
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Spezialisierte Bildungs-KI in Entwicklung (FWU-AIS-Projekt)
3. Versionswissen (kurzlebig):
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GPT-3.5 → GPT-4 → GPT-4o → GPT-4.1 → GPT-5.0
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Aktuelle Realität: Neue Versionen erscheinen fast regelmäßig und nach Monaten, statt nach Jahren. Die großen Releases kamen 03/2023 (GPT-4), 05/2024 (GPT-4o), 04/2025 (GPT-4.1), 08/2025 (GPT-5.0)

Was hat sich seit 2022 bestätigt?
Döbeli Honeggers Prognose war richtig:
ChatGPT hat tatsächlich eine neue Ära eingeläutet und hat inzwischen über 700 Millionen wöchentliche Nutzer (Stand 2025). Damit ist KI auch bei Lehrkräften und SchülerInnen und Schülern angekommen - was Fragen zur sinnvollen Nutzung aufwirft.
Das Konzeptwissen (LLMs) blieb stabil, während sich Produkte rasant entwickeltenWas bedeutet das aktuell für Schulen und Lehrkräfte?
Der Fokus liegt auf KI-Konzepten statt auf Versionen:
Lehrkräfte sollten verstehen, wie KI funktioniert und müssen nicht jedes Update-Detail kennen. Zur zielorientierten Nutzung wird kritisches Denken benötigt und Kompetenz im Prompt-Engineering entwickelt. Medienbildung muss KI-Literacy umfassen - also die Kompetenz, KI zu verstehen, kritisch zu bewerten und verantwortungsvoll einzusetzen.Döbeli Honeggers Empfehlung, sich auf grundlegendes Konzeptwissen statt auf einzelne Produkte zu konzentrieren, hat sich bewährt. Schulen, die 2023 primär mit Verboten einzelner Tools wie ChatGPT reagierten, sehen sich heute mit einer Vielzahl alternativer KI-Anwendungen konfrontiert, die Schülerinnen und Schüler bereits selbstständig nutzen. Erfolgreich agieren hingegen jene Bildungseinrichtungen, die die Funktionsweise generativer KI grundlegend verstanden und didaktisch sinnvoll in ihren Unterricht eingebunden haben.
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Was ist Hype und was bleibt?
Der Gartner Hype Cycle als Orientierungshilfe

Technologische Innovationen folgen oft einem Muster öffentlicher Wahrnehmung. Der Gartner Hype Cycle beschreibt diesen Verlauf in fünf Phasen:
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Innovationsauslöser: Eine neue Technologie wird vorgestellt.
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Gipfel überzogener Erwartungen: Euphorie und Ängste dominieren.
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Tal der Ernüchterung: Erste Grenzen und Enttäuschungen werden sichtbar.
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Pfad der Erleuchtung: Realistische Anwendungen entstehen.
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Plateau der Produktivität: Die Technologie wird zum Standard.
Wo steht KI in der Bildung heute (Ende 2025)?
Laut Gartner befand sich Generative KI (wie ChatGPT) 2024 bereits über dem „Gipfel überzogener Erwartungen“. Für 2025 prognostizierte Gartner den Eintritt ins „Tal der Ernüchterung“, da viele die Potenziale und Grenzen besser verstehen. Viele Schulen und Lehrkräfte hatten gehofft, dass KI-Tools automatisch präzises, individuelles Feedback zu Lernerleistungen geben würden. In der Praxis zeigt sich jedoch: Die Rückmeldungen sind oft zu allgemein oder passen nicht zum Lernstand der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Die anfängliche Euphorie ist verflogen – man hat gelernt, die Möglichkeiten realistischer einzuschätzen.
Bedeutung für Schulen
Nach anfänglicher Panik (Schülerinnen und Schüler schummeln nur noch!“) oder Euphorie („KI revolutioniert alles!“) setzt eine realistischere Sicht ein: KI ist weder Heilsbringer noch Untergang, sondern ein Werkzeug, dessen Potenziale und Grenzen erkannt werden müssen.
Parallelen zu früheren Bildungstechnologien
Frühere Technologien lösten ähnliche Debatten aus:
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1970er: Taschenrechner würden mathematisches Denken zerstören.
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1990er: Computer würden Lehrkräfte ersetzen.
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2000er: Wikipedia würde wissenschaftliches Arbeiten unmöglich machen.
2012: MOOCs würden Universitäten überflüssig machen.
Alle diese Technologien fanden ihren Platz – nicht so radikal wie befürchtet oder erhofft, sondern in realistischen Nischen und Anwendungen.
Was bleibt von der KI-Revolution?
Kurzfristige Übertreibungen (Medienrhetorik): „KI ersetzt alle Lehrkräfte“, „Hausaufgaben sind tot“, „KI-Detektoren lösen alles“.
„Langfristig zeichnen sich folgende realistische Veränderungen ab.
Neue Kernkompetenzen wie KI-Literacy und gezieltes Prompting werden fester Bestandteil schulischer Bildung.
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Die Aufgabenkultur verändert sich: Kritisches Denken rückt stärker in den Fokus. Formative Aufgaben zur Lernbegleitung können durch KI unterstützt werden (z. B. durch individualisiertes Feedback), während summative Aufgaben zur Leistungsbewertung auch neu konzipiert werden müssen. KI kann etwa bei der Entwurfsphase eines Essays unterstützen, während die abschließende Bewertung weiterhin von Lehrkräften gestaltet wird.
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Individualisierung des Lernens wird durch KI-basierte Lernbegleiter („KI-Tutoren“) erleichtert.
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Lehrkräfte werden bei Routineaufgaben entlastet, sodass mehr Raum für pädagogische Kernaufgaben entsteht.“
FazitKI in der Bildung folgt dem bekannten Hype-Zyklus. Wir stehen an einem Wendepunkt: weg von Übertreibungen, hin zu realistischen Anwendungen. Die Technik wird bleiben und die Bildung verändern – als Werkzeug, nicht als Ersatz guter Pädagogik. In wenigen Jahren wird sie so selbstverständlich sein wie heute die Google-Suche.
Quellen
Was das didaktisch bedeutet, dazu hat Nele Hirsch einen Beitrag verfasst:
Nele Hirsch. Didaktische KI-Nutzung [11.9.2025].
Weitere Veröffentlichungen für einen guten Überblick sind:-
Döbeli Honegger, Beat (2023). ChatGPT – der iPhone-Moment des maschinellen Lernens?. In: info7, Ausgabe 1/2023. Das Magazin für Medien, Archive und Information.
Ein fundierter Artikel, der technologische Entwicklungslinien, Grenzen und Potenziale von KI am Beispiel von ChatGPT einordnet (inkl. gesellschaftlicher Implikationen). -
Astrid Brüggemann: Keine Panik, es ist nur KI! Grundprinzipien zur professionellen Nutzung von Text-KI für Neulinge und Fortgeschrittene. Mit digitaler Prompt-Sammlung. Offenbach 2025.
Praxiserprobte Einführung mit Fokus auf Funktionsweisen, Chancen und methodische Möglichkeiten von textbasierter KI im Unterricht. -
Furbach, Kitzelmann, Michaeli, Schmid: Künstliche Intelligenz für Lehrkräfte – Eine fachliche Einführung mit didaktischen Hinweisen. UTB, 2024.
Technisches Hintergrundwissen und praxisorientierte didaktische Empfehlungen für den Umgang mit KI im Bildungsalltag. -
Hochschulforum Digitalisierung: Generative KI – ein Dossier.
Ein international angesehener Überblick zu technologischen Grundlagen, Trends und Herausforderungen generativer KI im Bildungsbereich. -
GI-Arbeitskreis Schule und KI: Künstliche Intelligenz für Lehrkräfte – Grundlagen, Anwendungen, Perspektiven. 2024.
Technisch-didaktische Gesamtschau von Algorithmen, Methodik und Zukunftsperspektiven für KI in Schule und Unterricht. -
Philipp Hanke: Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht: Eine Einführung. Beltz 2024.
Vermittelt grundlegende KI-Technologien und deren praktische didaktische Anwendungsmöglichkeiten. -
Kompetenzraster des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung
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