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4

4-Ohren-Modell

Das 4-Ohren-Modell, entwickelt von Friedemann Schulz von Thun, beschreibt die vier Aspekte einer Nachricht:

  • den Sachinhalt,
  • die Selbstoffenbarung,
  • die Beziehungsebene und
  • den Appell.

Jede Kommunikation enthält diese vier Botschaften gleichzeitig, und je nach persönlicher Wahrnehmung kann eine dieser Ebenen stärker betont werden. In digitalen Kommunikationsformen wie Chats oder Kommentaren können Missverständnisse auftreten, wenn eine Nachricht auf einer anderen Ebene interpretiert wird als beabsichtigt. Im digitalen Raum fehlen zudem wichtige Interpretationshilfen wie Tonfall, Mimik oder Gestik, was die Gefahr von Fehlinterpretationen weiter erhöht.


A

Authority-Bias (Autoritätsverzerrung)

bezeichnet die Tendenz, Aussagen von Autoritätspersonen ohne kritische Prüfung zu glauben. Diese Verzerrung entsteht, weil Menschen dazu neigen, Informationen von als kompetent wahrgenommenen Personen höher zu gewichten. In sozialen Medien kann dieser Bias dazu führen, dass Empfehlungen oder Meinungen von Influencerinnen und Influencern als glaubwürdiger eingeschätzt werden, auch wenn sie keine objektiven Belege liefern.


B

BeReal

ist eine französische Social-Media-App aus dem Jahr 2020.

Das Besondere: Jeden Tag zu einer zufälligen Zeit bekommen alle Nutzer und Nutzerinnen eine Benachrichtigung. Dann haben sie zwei Minuten Zeit für ein Foto und zwar eins, das gleichzeitig die Front- und Rückkamera nutzt. Man sieht also sowohl die Person als auch das, was vor ihr passiert – ob beim Zähneputzen, im Supermarkt oder auf der Couch. Wer die zwei Minuten verpasst, kann auch später noch posten: das wird dann als Late markiert und zeigt an, wie viele Stunden man zu spät dran war. Außerdem gibt es Streaks: Postet man mehrere Tage hintereinander, baut man eine Serie auf.

Die App wurde 2022 richtig groß, vor allem bei Studierenden und jungen Leuten. Viele fanden es erfrischend, mal nicht die perfekten Instagram-Momente zu sehen, sondern Einblicke in das "echte Leben".


Body-Positivity (Körperpositivität)

ist eine Bewegung, die die Akzeptanz aller Körperformen und -größen fördert. Sie setzt sich gegen unrealistische Schönheitsideale und für ein gesundes Selbstbild ein. Die Bewegung betont, dass jeder Körper wertvoll ist und Respekt verdient, unabhängig von gesellschaftlichen Normen. In sozialen Medien wird Body-Positivity durch das Teilen von Bildern und Erfahrungen unter Hashtags wie #BodyPositivity oder #LoveYourself unterstützt.


C

Clickbait

Clickbait bezeichnet aufmerksamkeitsstarke, oft reißerische Überschriften oder Vorschaubilder, die darauf abzielen, Nutzende zum Anklicken eines Beitrags, Videos oder Links zu bewegen. Der Inhalt hält dabei häufig nicht das, was die Überschrift verspricht. Clickbait nutzt psychologische Mechanismen wie Neugier, Überraschung oder Empörung, um kurzfristig mehr Klicks und Aufrufe zu generieren.

In sozialen Medien und Online-Medien wird Clickbait häufig eingesetzt, um Reichweite zu erhöhen, Werbeeinnahmen zu steigern oder Algorithmen positiv zu beeinflussen.


Cross-Site-Tracking

bezeichnet die Praxis, das Verhalten von Nutzenden über verschiedene Webseiten hinweg zu verfolgen. Dies geschieht häufig durch Cookies oder ähnliche Technologien, die es Unternehmen ermöglichen, ein detailliertes Profil des Surfverhaltens zu erstellen. In sozialen Medien kann dies dazu führen, dass Nutzenden gezielt mit Werbung angesprochen werden, die auf ihren vorherigen Aktivitäten auf anderen Websites basiert.


D

Dopamin

ist ein Neurotransmitter, der im mesolimbischen Belohnungssystem des Gehirns bei der Erwartung und Antizipation von Belohnungen ausgeschüttet wird.
Es steuert Motivation, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, Anstrengungen für potenzielle Belohnungen aufzubringen.

Vertiefung: Neurobiologische Bedeutung im Kontext digitaler und analoger Aktivitäten

Dopamin ist primär bei der Erwartung von Belohnungen aktiv, nicht beim Glückserleben selbst.
Unser Wohlbefinden entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Botenstoffe: Serotonin (langfristige Zufriedenheit), Endorphine (körperliche Anstrengung), Oxytocin (soziale Bindung).

Bei Offline-Aktivitäten wird Dopamin in natürlichem, ausgewogenem Rhythmus ausgeschüttet. Belohnungen treten verzögert und unvorhersehbar ein, was Geduld und Ausdauer trainieren kann. Gleichzeitig werden tendenziell komplementäre Systeme aktiviert: Bewegung setzt Endorphine frei, direkte soziale Interaktion stimuliert Oxytocin, persönliche Zielerreichung kann die Serotonin-Regulation beeinflussen. Dieses ganzheitliche Zusammenspiel begünstigt nachhaltige Zufriedenheit und stabile Selbstregulation.

Online-Aktivitäten sind häufig so konzipiert, dass sie Belohnungen hochfrequent und vorhersehbar liefern, oft ohne nennenswerte kognitive oder körperliche Anstrengung. 
Algorithmen sorgen für konstante Inhalte, Likes erscheinen unmittelbar, Spielmechaniken bieten kontinuierliche Fortschritte. Forschungen zur Verhaltenssucht und operanten Konditionierung legen nahe, dass diese intensive, repetitive Stimulation des Belohnungssystems neuroadaptive Prozesse anstoßen kann: Die Rezeptoren passen sich möglicherweise an, die Baseline-Aktivität kann sinken, und stärkere Reize werden eventuell für das gleiche Belohnungsempfinden benötigt. Andere Neurotransmitter-Systeme werden dabei anders bzw. weniger aktiviert: eingeschränkte körperliche Bewegung (reduzierte Endorphine), veränderte Formen sozialer Bindung (unterschiedliche Oxytocin-Regulation), andere Qualität von Zielerreichung (modifizierte Serotonin-Wirkung).

Digitale Plattformen nutzen variable Verstärkungspläne (ähnlich operanter Konditionierung wie beim Glücksspiel), nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit ohne Aufwand und unmittelbare Belohnungen ohne zeitliche Verzögerung. Das Dopamin-System wird dabei tendenziell stärker isoliert angesprochen mit eingeschränkten regulierenden Effekten anderer Neurotransmitter-Systeme.

Mögliche Konsequenzen: Studien zeigen Zusammenhänge zwischen exzessiver digitaler Mediennutzung und veränderter Reaktion auf moderate, verzögerte Belohnungen, wie sie beim schulischen Lernen typisch sind. Dies kann sich in verminderter intrinsischer Motivation, reduzierter Frustrationstoleranz und erhöhtem Verlangen nach schnellen digitalen Reizen äußern – wobei die Kausalrichtung (Ursache oder Folge?) wissenschaftlich noch diskutiert wird. Während Offline-Erlebnisse die neurobiologischen Voraussetzungen für nachhaltige Motivation und Selbstregulation zu fördern scheinen, kann exzessive digitale Nutzung diese Fähigkeiten beeinträchtigen – Kompetenzen, die für schulischen Erfolg und Lebenszufriedenheit zentral sind.


Hinweis: Diese Darstellung vereinfacht komplexe neurobiologische Prozesse zu didaktischen Zwecken.
Die Forschung zu digitalen Medien und Gehirnfunktion entwickelt sich kontinuierlich weiter, und individuelle Reaktionen können erheblich variieren.

 
 
 
 


F

Feed (Social Media)

Ein Feed ist eine ständig aktualisierte Übersicht von Inhalten, die Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Medien angezeigt bekommen.
Er zeigt Beiträge, Videos oder Bilder von Personen, Seiten oder Kanälen, denen man folgt. Der Feed ermöglicht es, neue Inhalte in Echtzeit zu entdecken und mit ihnen zu interagieren, sei es durch Likes, Kommentare oder das Teilen von Beiträgen.


Filterblase

Eine Filterblase entsteht,
wenn Algorithmen in sozialen Medien Inhalte bevorzugt anzeigen, die den bisherigen Interessen oder Meinungen der Nutzerinnen und Nutzer entsprechen. Dies führt dazu, dass alternative Perspektiven oder Informationen seltener wahrgenommen werden, was die eigene Sichtweise verengen kann. In einer Filterblase werden Nutzerinnen und Nutzer hauptsächlich mit Bestätigungen ihrer eigenen Ansichten konfrontiert, während andere Meinungen ausgeblendet werden.


H

Halo-Effekt (Heiligenschein-Effekt)

beschreibt die kognitive Verzerrung, bei der eine einzelne positive Eigenschaft einer Person (z. B. Attraktivität) die gesamte Wahrnehmung dieser Person beeinflusst. Dies führt dazu, dass andere Eigenschaften wie Intelligenz oder Freundlichkeit ebenfalls positiver eingeschätzt werden, obwohl dafür keine objektiven Hinweise vorliegen. Dieser Effekt kann in sozialen Medien verstärkt auftreten, wenn Nutzerinnen und Nutzer aufgrund eines ansprechenden Profils oder Fotos als vertrauenswürdiger wahrgenommen werden, unabhängig von der tatsächlichen Qualität ihrer Inhalte. 

Pretty Privilege (Schönheitsprivileg)

beschreibt die unverdienten Vorteile, die Menschen aufgrund ihrer physischen Attraktivität erfahren. Diese Vorteile können sich in Form von positiverer Behandlung, mehr Aufmerksamkeit oder besseren beruflichen Chancen äußern.



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