Modul 1: Wie nutze ich Social Media ?

 

Die eigene Mediennutzung verstehen

Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok sind längst zu zentralen Sozialisierungsinstanzen für Heranwachsende geworden. Sie liefern Material für die Konstruktion von Weltbildern und Lebensentwürfen, beeinflussen Vorstellungen von Werten und Normen und erweitern künstlerisch-ästhetische Ausdrucksformen. Gleichzeitig zeigen sie jedoch nur Ausschnitte der Welt und zeigen nie ein vollständiges Bild.

Das erste Modul des Social-Media-Pass Niedersachsen zielt daher auf die Entwicklung eines Medialitätsbewusstseins ab: Es rückt die realen Erfahrungen Ihrer Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt und schlägt eine Brücke zwischen ihrer tagtäglichen Lebenswelt und dem schulischen Kontext. Anstatt auf Verbote und Warnungen zu setzen, fördert es die Wahrnehmung der eigenen Medienpraxis.

Die zentralen Fragen lauten: Wie nutze ich Social Media eigentlich? Wie beeinflusst mein Nutzungsverhalten meine Persönlichkeitsentwicklung und meine Sicht auf die Welt? Und was macht das mit mir und mit anderen?

Vier Kernbereiche der Selbstwahrnehmung

Ihre Schülerinnen und Schüler erkunden mit Ihnen gemeinsam vier zentrale Bereiche ihrer digitalen Nutzungswelt:

  1. Selbstdarstellung: Zwischen Inszenierung und Authentizität
    Die Lernenden analysieren Social-Media-Profile, entlarven gefilterte und KI-generierte Bilder und reflektieren ihr Verhältnis zu Influencerinnen und Influencern. Sie hinterfragen ihre eigene Selbstdarstellung: Was zeige ich von mir und warum? Dabei entwickeln sie einen Blick für digitale Inszenierung und stärken ihr authentisches Selbstbild.

  2. Kommunikation: Von Missverständnissen und echten Verbindungen
    Die Lernenden erproben verschiedene Kommunikationsformen und entscheiden, welche Nachrichten sie lieber digital oder direkt übermitteln würden. Gemeinsam entwickeln sie Regeln für respektvolle digitale Kommunikation und verstehen, warum Missverständnisse online häufiger entstehen.

  3. Informationsverhalten: Meinungsbildung in der digitalisierten Welt
    Die Lernenden entwickeln einen kritischen Blick für algorithmisch gesteuerte Inhalte und verstehen, wie KI ihre personalisierten Feeds beeinflusst. Sie durchschauen interessenbasierte Informations- und Werbeverteilung sowie gezielte Desinformation und Populismus in sozialen Medien. Dabei lernen sie, zwischen manipulierten und verlässlichen Quellen zu unterscheiden und die Mechanismen digitaler Meinungsbildung zu erkennen.

  4. Rechte und Verantwortung: Gesetze und Ethik
    Die Lernenden setzen sich mit ihren Rechten und Pflichten in sozialen Medien auseinander: Sie lernen das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild kennen, reflektieren über Meinungsfreiheit und ihre Grenzen sowie über den Schutz von Intim- sowie Privatsphäre und öffentlichen Bereichen. Darüber hinaus diskutieren sie moralische Fragen des digitalen Handelns: Was darf ich posten, teilen oder kommentieren und welche Verantwortung trage ich dabei für mich und andere?

 

Ihre pädagogische Rolle in Modul 1

  • Seien Sie neugierig und offen:
    Seien Sie neugierig und schaffen Sie Gesprächsanlässe. Social Media ist Teil der Lebensrealität Ihrer Schülerinnen und Schüler und sie wollen darüber sprechen! Nutzen Sie deren Expertise und Gesprächsbedarf: Ein interessiertes "Zeigt mir, wie das funktioniert!" oder "Wie erlebt ihr das?" öffnet möglicherweise Türen, die Ihnen sonst verschlossen bleiben würden. Verzichten Sie dabei auf Bewertungen – Ihre echte Neugier lädt zum Austausch ein, moralisierende Urteile beenden ihn.

  • Schaffen Sie geschützte Reflexionsräume:
    Fragen nach Stressempfinden, Authentizität oder Beziehungsqualität lassen sich nicht über Arbeitsblätter "abarbeiten", sie erfordern eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre. Schaffen Sie diese beispielsweise durch eine andere Raumgestaltung oder den Wechsel in eine neue Umgebung. Seien Sie sich bewusst: Einige Schülerinnen und Schüler haben bereits belastende Erfahrungen in sozialen Medien gemacht oder Inhalte gesehen, die sie verstören. Als Lehrkraft können Sie eine wichtige erste Ansprechperson sein – schaffen Sie Raum für solche Gespräche.

Kompetenzen

Zugeordnete Kompetenzbereiche (Orientierungsrahmen Medienbildung)

  • Suchen, Erheben, Verarbeiten und Aufbewahren

  • Kommunizieren und Kooperieren

  • Produzieren und Präsentieren

  • Schützen und sicher Agieren

  • Analysieren, Kontextualisieren und Reflektieren

 

Das Ergebnis

Für Ihre Schülerinnen und Schüler: Ein Verständnis für die eigene digitale Identität, verbesserte Beziehungsqualität und die Grundlagen selbstbestimmter Meinungsbildung als Kompetenzen, die nicht nur auf Social Media wichtig sind.

Für Sie: Authentische Einblicke in die digitale Lebenswelt Ihrer Schülerinnen und Schüler, neue Perspektiven auf Gruppendynamiken und wertvolle Impulse für die eigene Medienreflexion.